Jede URL hat in den Augen von Google eine ganz eigene Wertigkeit und Relevanz in Bezug auf die jeweils darauf abgebildeten Themen, Inhalte und Informationen. Diese einzigartige Wertigkeit wird ausschließlich einer einzigartigen URL zugeschrieben. Die Relevanz kann durch gezielte Maßnahmen über einen längeren Zeitraum verbessert und gestärkt werden. Die kontinuierliche Stärkung und Konservierung dieser Relevanz und Kraft stellt eine der größten Herausforderungen der Suchmaschinenoptimierung dar. Vor allem bei der Konservierung der Wertigkeit im Falle von Veränderungen an der Webseite werden schnell Fehler begangen, die sehr kostenintensiv sein können. Um solche Relevanzverluste zu vermeiden, können Weiterleitungen (primär 301 Weiterleitungen) verwendet werden.

Der nachfolgende Beitrag fokussiert sich auf die so wichtige permanente 301 Weiterleitung und versucht die wichtigsten Informationen darzustellen sowie die wichtigsten Fragen zu beantworten.

301 Weiterleitung – Brücke zwischen alt und neu

Im Zuge von Webseitenarbeiten kommt es schnell zu strukturellen Veränderungen und somit auch zu Veränderungen der URLs. Um die Relevanz einer jeweiligen Seite und URL zu behalten und auf die jeweils neue URL zu übertragen, gibt es Weiterleitungen. Weiterleitungen spielen somit eine äußerst wichtige Rolle in der Suchmaschinenoptimierung. Kommt es im Zuge der Optimierung einer Webseite zu strukturellen Veränderungen stellen Weiterleitungen die Brücke zwischen der alten und neuen Struktur dar. Sie helfen sowohl Menschen als auch Maschinen die jeweiligen Veränderungen zu verstehen und schaffen somit Nachvollziehbarkeit und Kontinuität.

Die Wichtigkeit von Weiterleitungen wird oft von Webseitenbetreibern und Unternehmen unterschätzt und somit vernachlässigt. Steht ein Relaunch der Unternehmenswebseite an, kann das fehlerhafte bzw. ausbleibende Weiterleiten zu massiven Einbrüchen der Rankings und damit einhergehend der Besucherzahlen und letztlich der Conversions führen. Oftmals ist es ein kleiner Fehler, der unbemerkt bleibt, aber sehr große (meistens negative) Auswirkungen mit sich bringt.

301 Weiterleitung vs. 302 / 307 Weiterleitung

Unterschieden werden, kann grundsätzlich zwischen permanenten und temporären Weiterleitungen (301 Weiterleitungen). Temporäre Weiterleitungen geben an, dass die jeweils angefragt Ressource vorübergehend auf einer alternativen URL vorzufinden ist. Wichtig ist hierbei die zeitliche Begrenzung. Im Gegensatz zu den permanenten Weiterleitungen, oft einfach nur 301 Weiterleitung genannt, erfolgt bei der temporären Weiterleitung keinerlei Wertübertragung. Die Erwartungshaltung bei der temporären Weiterleitung ist, dass die originale URL in naher Zukunft auch wieder verfügbar ist. Eine Wertübertragung wäre somit überflüssig.

Festhalten muss man an dieser Stelle allerdings, dass seitens Google klar kommuniziert wurde: Bleiben temporäre Weiterleitungen über einen längeren Zeitraum bestehen, werden auch diese als permanente 301 Weiterleitungen betrachtet bzw. bewertet. Die Wertübertragung würde somit dann stattfinden.

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Temporäre Weiterleitungen werden mit dem Status Codes 302 und 307 angegeben. Es gibt minimale Unterschiede zwischen den Status Codes 302 und 307, die an dieser Stelle nicht weiter wichtig sind. Klassische Anwendungsbeispiele für temporäre Status Code 302 / 307 Weiterleitungen sind A/B Testing von Design oder Aktualisierung eines Webseiten-Bereiches mit temporärer Umleitung der Webseitenbesucher.

Status Code 301 Weiterleitungen hingegen sind permanent und die jeweilige angefragte Ressource ist von nun an nur noch über die jeweils neue URL-Adresse abrufbar. Die oben angesprochene Wertübertragung findet statt, sobald die 301 Weiterleitung eingerichtet wurde. Wenn Google also das nächste mal auf der Webseite vorbeischaut und diese ausliest, wird die 301 Weiterleitung registriert und die URLs im Index aktualisiert.

Viele Anwendungen, viele Möglichkeiten

301 Weiterleitungen sind somit ein immens wichtiges Werkzeug in der Suchmaschinenoptimierung. Richtig implementierte 301 Weiterleitungen sind bei Webseiten-Umzügen, Relaunches und Co. der Entscheider, ob das Projekt ein Erfolg wird oder Rankings und Entwicklungen verloren gehen. 301 Weiterleitungen können verwendet werden, um einzelne Seiten weiterzuleiten sowie größere Verzeichnisse oder auch ganze Webseiten weiterzuleiten, ohne die bereits erarbeitete Wertigkeit und Relevanz in den Augen von Google zu verlieren. Statt Google mittels Status Code 404 zu sagen, dass eine Seite nicht mehr vorhanden ist, kann mit der 301 Weiterleitung jeglicher Wert bewahrt werden.

Genauso lassen sich auch mehrere alte Seiten auf eine neue Seite permanent weiterleiten. Es sollte allerdings darauf geachtet werden, dass eine thematische bzw. Inhaltliche Verbindung zwischen den Seiten existiert. Als Faustregel gilt: Solange vergleichbare und verwandte Keywords und Informationen auf der neuen Seite existieren kann eine Weiterleitung der SEO-Wertigkeit stattfinden.

Werden bei Veränderungen von URLs keine 301 Weiterleitungen implementiert, kommt es unmittelbar zum Verlust von Website Traffic und Besucher landen auf der gefürchteten Status Code 404 Seite. Diese gibt Google ganz klar die Anweisung: Diese Ressource gibt es nicht mehr.

Sollte dies noch nicht Grund genug sein: Das Auslassen von Weiterleitungen hat zweifellos starke Auswirkungen auf die Rankings.

301 Weiterleitung – Alle wichtigen Fragen beantwortet

Obwohl das Grundprinzip von Weiterleitungen schnell erklärt ist, gibt es eine ganze Reihe an offenen und wiederkehrenden Fragen im Bezug auf die 301 Weiterleitung. Nachfolgend möchten wir die wichtigsten dieser Fragen beantworten.

Kann die Wertigkeit von einer Domain auf eine andere Domain übertragen werden?

Kurz gesagt, ja. Findet beispielsweise ein Rebranding des eigenen Unternehmens statt und die Domain der Website wird geändert, können permanente 301 Weiterleitungen verwendet werden. Verändert sich nur die Domain und die sonstigen Strukturen bleiben bestehen, können mit sogenannten RewriteRules und RewriteConditions alle URL-Adressen auf die neue Domain umgeschrieben werden. Finden neben dem Domainwechsel allerdings auch ein Relaunch mit tiefgreifenden strukturellen Veränderungen statt, muss auch auf einzelner Seitenebene jeweils eine 301 Weiterleitung eingerichtet werden.

Wie lange sollte ich 301 Weiterleitungen beibehalten?

Im besten Fall für immer. Eine permanente Weiterleitung ist keine endliche Übertragung im wortwörtlichen Sinne, sodass irgendwann 100% der alten Relevanz übertragen ist. Viel mehr ist Google davon abhängig, dass Weiterleitungen existieren, um die Geschehnisse auf einer Website zu verstehen und nachvollziehen zu können. Wird eine Weiterleitung entfernt, so wird diese Kontinuität unterbrochen. Als Faustregel gilt: Ist mir der SEO-Effekt der Weiterleitung wichtig, sollte ich diese solange wie möglich aufrechterhalten.

Wie lange dauert es bis Google die 301 Weiterleitung registriert?

Es gibt keine Garantie und nur wenige Indikatoren dafür wie schnell Google eine permanente 301 Weiterleitungen registriert und die Links im Suchindex aktualisiert. Zu viele Faktoren (einige, über die man auch keine Kontrolle hat) haben hier einen direkten Einfluss. Die einzige Möglichkeit, die hier existiert, ist Google auf die Veränderungen so gut es geht aufmerksam zu machen. Eine dieser Möglichkeiten ist das Einreichen der alten und neuen URL in der Google Search Console.

Muss der Inhalt der neuen Seite identisch sein?

Nein, wie bereits erwähnt, macht es aus Sicht der Suchmaschinenoptimierung und der gerade angesprochenen Kontinuität allerdings Sinn, wenn der Inhalt quasi identisch ist. Vor allem, wenn es darum geht Rankings zu bewahren, sollte ein vergleichbarer Grad an Suchmaschinenoptimierung für die gleichen oder nahe verwandte Themen existieren. Ist dies gegeben, macht es Sinn, eine 301 Weiterleitung einzurichten.

Kann ich alte Seiten einfach auf die Startseite weiterleiten?

Empfehlenswert ist dies nicht. Führen alte und nicht mehr relevante Seiten per 301 Weiterleitung auf die Startseite spricht man oft von einem Soft-404 Fehler. Oder besser gesagt, klassifiziert Google in vielen Fällen solche Weiterleitungen als Soft-404er. Das “Warum” kann einfach erklärt werden. In Googles Augen ist das flächendeckende Weiterleiten von alten Seiten auf die Startseite wie das Aufräumen der eigenen Wohnung in dem man alle schmutzigen und alten Klamotten in eine Ecke schmeißt.

Die Lösung? Wenn möglich sollte immer eine passende äquivalente andere Seite gefunden werden, auf die die alte URL permanent weitergeleitet werden kann. Die am weitesten entfernte, passende alternative Seite ist immer noch besser als die 301 Weiterleitung auf die Startseite. Wenn keine passende Seite existiert, kann es eine alternative Möglichkeit sein, eine gute 404-Seite zu haben.

Kann ich mehrere Webseiten / Domains zusammenfassend weiterleiten?

Grundsätzlich ja. Aber auch hier muss erwähnt werden, dass der entscheidende Faktor die Vergleichbarkeit der Seiten und Seiteninhalte ist. Werden die verschiedenen Qualitätssignale der Webseiten im Zuge der Zusammenfassung und 301 Weiterleitung beibehalten, können Rankings und Entwicklungen beibehalten werden. Es muss allerdings damit gerechnet werden, dass bei so vielen 301 Weiterleitungen und massiven Veränderungen es einiges an Zeit in Anspruch nehmen wird, bis diese Veränderungen auch seitens Google registriert werden.

Kann ich den HTTP zu HTTPS Wechsel mit 301 Weiterleitungen realisieren?

Ja, es ist sogar empfehlenswert. Steht die Integration eines SSL-Zertifikates und der damit verbundene Wechsel von HTTP zu HTTPS an, empfiehlt es sich per RewriteRules und RewriteConditions alle non-SSL Requests permanent mit 301 Weiterleitungen auf die SSL-Version (also HTTPS) weiterzuleiten. Somit kann sichergestellt werden, dass ausschließlich die HTTPS Version als relevant und final betrachtet wird.

Wie viele Weiterleitungsschleifen sind zu viel?

Nach Aussagen von John Müller aus einem Google Webmaster Hangouts aus dem Jahr 2017 folgt Google bis zu fünf Weiterleitungen in einer Weiterleitungsschleife bevor gestoppt wird. Empfehlenswert ist es allerdings, überhaupt keine Weiterleitungsschleifen auf der eigenen Website zu finden. Gibt es Weiterleitungsschleifen, so sollten diese im besten Fall entfernt werden – der Startpunkt sollte sofort mit dem finalen Endpunkt (Status Code 200) verbunden werden.